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Rotes Kreuz und Henry Dunant

red cross 1963 cover

Es war eine regnerische Nacht im Juni 1859, als sich eine einsame Kutsche durch Norditalien vorkämpfte. In ihrem Inneren saß der Genfer Kaufmann Henry Dunant, der sich auf einer wichtigen Geschäftsreise befand. Dunant war fest entschlossen, eine Audienz bei Napoleon III., dem mächtigen Kaiser der Franzosen, zu erhalten. Dunant wusste, dass Napoleon sich hier irgendwo in der Nähe seiner kämpfenden Truppen aufhielt. Plötzlich fand sich der Reisende inmitten eines Schlachtfeldes wieder. Dunant war entsetzt: Am Rande des Dorfes Solferino fochten die französischen gegen die österreichischen Truppen eine schreckliche Schlacht aus. Am Abend blieben Tausende Tote, Verwundete und Sterbende auf dem Schlachtfeld zurück. Aber die Sanitätstruppen waren der Situation nicht gewachsen und die erschöpften und verletzten Soldaten auf beiden Seiten hatten genug damit zu tun, sich selbst zu retten. Es wurde dringend Hilfe gebraucht. Entschlossen richtete Dunant ein behelfsmäßiges Hospital in der Dorfkirche ein. Dort erhielten die Verwundeten und Sterbende Aufmerksamkeit und Pflege. Die Dorfbewohner leisteten Tag und Nacht wertvolle Hilfe bei der Behandlung der Franzosen und der Österreicher in gleicher Weise. Auch die letzten Worte der Sterbenden nahmen sie auf und sandten sie an die Hinterbliebenen.

Schließlich kehrte Dunant in die Schweiz zurück.
Sein Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ wurde 1862 veröffentlicht. Hier schlug er vor, in jedem Land eine neutrale, unabhängige Hilfsorganisation zu gründen, die im Kriegsfall allen Bedürftigen Schutz und Pflege zukommen lassen sollte. Die Idee war revolutionär und fand Gehör. Kurze Zeit später gründete Dunant mit Gleichgesinnten das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz“. 1864 trafen Diplomaten aus aller Welt zu einer Konferenz zusammen. Sie einigten sich auf die erste Genfer Konvention zur Verbesserung der Lage verwundeter und kranker Soldaten. Viele Jahre nach dem ersten und Zweiten Weltkrieg folgten weitere Verträge. 1912/13 wurden zahlreiche regionale Vereine des Roten Kreuzes in Deutschland gegründet. Sie begehen derzeit ihre hundertjährigen Jubiläen.

Die allumfassenden gesellschaftlichen Erschütterungen der beiden Weltkriege berührten auch die deutsche nationale Rotkreuzgesellschaft, das DRK.
Historiker bestätigten, dass das DRK die einzige Großorganisation im Dritten Reich war, die sich nicht in vollständiger Abhängigkeit von der NSDAP befand. Seine internationalen Verflechtungen, die mit der Solidarität der Hilfsorganisationen verbunden war, ließen die Nazis vor Regressionen und Angriffen zurückschrecken. Dennoch gab es Gleichschaltungsversuche, Kooperationen und Verflechtungen mit der SS und der NSDAP. Korrumpierte Funktionäre täuschten den Mutterverband IKRK bewusst über die Auswüchse im nationalsozialistischen System hinweg. Die Liste der Verfehlungen reicht von Beteiligungen an der Euthanasie bis zu medizinischen Menschenversuchen. Dadurch verschob sich der dennoch unantastbare humanitäre Kern der Rotkreuzarbeit hin zur reinen Sanitätstruppe. Später war es der Suchdienst des DRK, der in den Kriegswirren Vermissten Kontakt zu den Angehörigen ermöglichte. So haben Historiker feststellen können, dass das DRK im Zweiten Weltkrieg einerseits eine Nische für Menschen war, die dem Zugriff der Nazis entgehen wollten, andererseits mit Teilen des herrschenden Regimes kooperierte und drittens aufopferungsvolle humanitäre Arbeit in den Kriegsgebieten leistete.

1949 wurden die vier Genfer Abkommen in ihrer heute gültigen Form verabschiedet. Sie schützen die Opfer bewaffneter Kriege, namentlich Verwundete, Schiffbrüchige, Soldaten, Kriegsgefangene und Zivilisten in Kriegszeiten. Es war Henry Dunant, der den Weg ebnete, Menschlichkeit inmitten der Unmenschlichkeit zu leben und den Grundstein zur Rot-Kreuz-Bewegung legte.

Heute haben fast 200 Staaten die Genfer Abkommen ratifiziert, die den Kern des humanitären Völkerrechtes bilden. Immer noch ist das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Wächter dieser Abkommen und der uneingeschränkten Würde, der Rechte und des Lebens der Menschen in den vielen Kriegsgebieten dieser Welt. Es gibt mehr als 180 nationale Rot-Kreuz- oder Rot-Halbmond-Gesellschaften weltweit. Sie alle setzen sich ein für Menschen in Not. Die Gesellschaften sind besonders aktiv in der Katastrophenhilfe und Vorsorge, dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Verbreitung humanitärer Werte und Prinzipien. Auch das Deutsche Rote Kreuz gehört zur internationalen Förderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Sie war 1919 gegründet worden und koordiniert neben der Betreuung in den Kriegsgebieten die Hilfe bei Naturkatastrophen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Überflutungen, aber auch bei großen Flüchtlingsströmen von Menschen, die in ihrer Heimat bedroht sind und kein Zuhause mehr finden.

In genau diesem Augenblick helfen Millionen Mitarbeiter und freiwillige Helfer des Roten Kreuzes Angst, Hunger und Not zu lindern. Sie verwirklichen so die Grundidee Henry Dununts.

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